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Helle Schrift auf dunklem Grund: Bundesweite Hellfeldstudie Terrorgram

‚TEENAGE TERRORISTS‘ IN DEUTSCHLAND?

Eine bundesweite Hellfeldstudie zur „Terrorgramszene“ in Deutschland – online, frei verfügbar

Eine bundesweite Hellfeldstudie zur „Terrorgramszene“ in Deutschland – online, frei verfügbar

Die deutsche Wochenzeitung Die Zeit berichtet in ihrem Dosier (12.2.26) von der „Ausbreitung einer rechtsextremen Jugendkultur“ in Deutschland: 

„Etwa 30 Prozent der 12- bis 25-Jährigen hätten mittlerweile eine gefestigt rechtsextreme Weltsicht oder sympathisierten damit, sagt der Soziologe Klaus Hurrelmann, 82, der seit Jahrzehnten die deutsche Jugend erforscht. »In unseren Studien zeigt sich ein zentraler Grund dafür: Krisenerfahrungen und Zukunftsängste. Das steht an erster Stelle.« Es herrsche ein Alles-wird-schlechter-Gefühl, das die Jüngeren überfordern könne. »Rechtsextreme Positionen bieten Eindeutigkeit. Und genau das macht sie für viele junge Menschen in unsicheren Zeiten so anschlussfähig.« Der Zerfall ökonomischer Strukturen, der Zerfall sozialer Bindungen: Diese »relevanten Faktoren« seien zunächst im Osten stärker ausgeprägt gewesen, sagt Hurrelmann. Doch nun bröckele auch im Westen die gesellschaftliche Infrastruktur aus Vereinen, Kirchen, Parteien, die Spannungen abfedern könne. Im Rückblick wirkt es weniger wie ein »Ost-Effekt« als wie ein Zeitvorsprung. Zuerst der Osten, dann der Westen.“ (Die Zeit)

Es geht immer schneller, dass sich einzelne Jugendliche radikalisieren. Aber woran liegt das? Eine neue Studie sucht Antworten. Für diese wertete sie alle aktenkundigen Fälle mit Bezügen zur „Terrorgram“-Szene aus. Gemeint sind Gruppen militanter und häufig minderjähriger Rechtsextremisten, die auf der digitalen Nachrichtenplattform Telegram chaten. Sie verherrlichen Gewalt gegen Juden, Migranten und queere Personen sowie ihre Vorbilder: Etwa den Attentäter von Christchurch in Neuseeland, der 2019 in einer Moschee 51 Menschen erschoss.

Die Ergebnisse: Alle der insgesamt 37 untersuchten Personen, im Schnitt 16 Jahre alt, die sich von 2020-2025 radikalisierten, waren männlich und teilen eine hohe Gewaltbereitschaft. Bei etwa der Hälfte der Fälle spricht man von „Blitzradikalisierung“, d.h. es verging weniger als ein Jahr von einem ersten Chat bis zu Anschlagsplänen, der Veröffentlichung eines Manifests oder der Beschaffung von Waffen. Fast alle Personen haben diagnostizierte psychische Erkrankungen oder Auffälligkeiten. Die meisten haben eine problematische Familiengeschichte, ihre Kindheit war geprägt durch Missbrauch, Gewalt oder Vernachlässigung. 

Vor diesem Hintergrund suchen sie Freunde und Anerkennung in digitalen Milieus, die von Hass, Hetze und Gewaltverherrlichung geprägt sind. Als Motive nennt die Studie: Ein übersteigertes Ungerechtigkeitsempfinden, ausgeprägte Faszination für Waffen sowie die Suche nach Anerkennung und eine „Opfermentalität“.

„»Etwa 30 bis 40 Prozent der jungen Männer sehen sich als soziale Verlierer«, sagt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann. Die Folge: Sie greifen auf ein Bild von Männlichkeit zurück, das Kontrolle und Überlegenheit verspricht. Auf dem Schulhof, so erzählen es Lehrerinnen, loben sich Jungs inzwischen gegenseitig mit den Worten: »Das ist männlich von dir!«

Für einige folgt aus dem Ideal der Stärke der nächste Schritt. Sie sehen Gewalt nicht mehr als Grenze, vor der man stehen bleibt, sondern als Möglichkeit, zu beweisen: Ich bin keiner von den Zurückgebliebenen mehr.“ (Die Zeit, Dosier 12.2.26)

Die Hellfeldstudie empfiehlt: Ausbau der Ausstiegsprogramme, ausreichend Therapieplätze für Kinder und Jugendliche mit psychischen Erkrankungen, sowie, neben vermittelter Medienkompetenz, eine gesellschaftliche Debatte über die Rolle sozialer Medien.

Bleibt zu hoffen, dass am Ende dieser Debatte nicht die Pseudo-Politik eines Social-Media-Verbotes für Jugendliche steht, sondern die Regulierung der Plattformen und die Transparenz ihrer Algorithmen. TPE

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