Bücher zu verschiedenen Krankheiten

Lia und ihr Augenpflaster
Ein Informationsbuch für Kinder und Erwachsene über Strabismus. Josephine Kraft. 3-4 J., Eigenproduktion
Des Öfteren sehe ich sie im Kindergarten oder unterwegs: Kinder, welche über einem Auge ein Pflaster tragen. Strabismus ist der wissenschaftliche Name für das Schielen: Ein Auge blickt geradeaus, das andere weicht etwas ab. Um das schielende Auge zu stärken, wird das gesunde abgedeckt.
Diese Information wird kindgerecht in diesem sehr liebevoll gestalteten Buch erklärt. Lia schielt und muss deswegen ein Pflaster tragen. Es wird gut beschrieben wie schwierig und herausfordernd das für Lia ist: Zuerst sieht sie nur verschwommen und andere Kinder verstehen nicht, warum eines ihrer Augen abgedeckt ist. Lia ist sehr frustriert und möchte das Pflaster nicht tragen, sie wächst im Laufe der Geschichte jedoch an der Herausforderung und lernt mit der momentanen Situation umzugehen.
Am Ende vom Buch sind für Erwachsene (wie Eltern oder Pädagog*innen) 4 Infoseiten über Strabismus. Es gibt auch einen Link zur Webseite mit weiteren Informationen sowie die Möglichkeit ein eigenes weißes Pflaster auszudrucken und zu bemalen.
Ich finde es ist ein gutes Begleitbuch für Kinder mit Strabismus, die etwas Kraft im Umgang damit gebrauchen können. Es ist auch sehr passend für Kinder welche Fragen zu diesem Thema haben, weil vielleicht jemand mit Pflaster in ihrer Gruppe ist.
Das Buch selbst ist handgezeichnet und mit KI-Tools bearbeitet, was für mich auf dem Cover erwähnt werden sollte.

Wilma und die Windpocken
Ein Bilder-Erzählbuch für Kinder, die Windpocken haben oder mehr darüber wissen wollen. Sigrun Eder, Caroline Oblasser, Evi Gasser, Medizinisches Nachwort von Dr. med. Ute Taschner. 5-8 J., Edition Riedenburg
Schafplattern, wie Windpocken auch genannt werden ist eine Kinderkrankheit, die auch heute noch die meisten Kinder irgendwann im Kindergarten oder der Volksschule bekommen. Hier ist es Wilma, ein Volkschulkind. Es beginnt mit einer Pustel und am nächsten Tag ist ihr Körper übersät und das Fieber da. Juckreiz, das Versorgt werden mit Creme, sich wieder gut fühlen und doch noch nicht in die Schule gehen dürfen – all das ist hier Thema.
Das Büchlein erinnert an ein Arbeits- oder Mitmachbuch und ist Teil der Sowas Reihe der Edition Riedenburg, die Kinder zu Expert*innen für sich selbst machen will. Das gelingt vor allem auch dadurch, weil ein großer Teil des Buches zum selber ausfüllen und bespielen einlädt. Den finde ich sehr nett und gelungen: Wo hast du dich angesteckt? Kreuze an. Was siehst du, wenn du aus dem Fenster schaust? Male es auf!
Den Abschluss bildet ein Medizinisches Nachwort, wo Krankheitsbild, Verbreitung, Diagnose, Behandlung, Komplikationen und Impfung kurz thematisiert werden.

Diabetes. Marie, du schaffst das!
Auch mit Diabetes ist das Leben schön. Christine Jüngling, Dilan Besak. 6-8 J., Mabuse Verlag
Ich kenne in meinem nahen Umfeld drei Kinder, die an Diabetes erkrankt sind. Das ist ganz schön viel, find ich. Gut ist, dass diese Krankheit gut behandelbar ist, aber es fordert die gesamte Familie und ganz besonders das betroffene Kind. In diesem Buch werden zuerst die Symptome beschrieben. Marie ist häufig müde, hat einem Riesendurst und kann beim Schwimmen nicht mehr mithalten. Ein Besuch bei Doktor Becker bringt Gewissheit.
Der erklärt ihr auch gleich kindgerecht, was das bedeutet. Dabei werden Begriffe wie Insulin und Blutzucker in Bezug zu Maries Erleben gestellt und erklärt. In der Spezialambulanz wird Marie erklärt, wie das mit dem Insulinspritzen ist und dass sie keine Schuld trifft. Obwohl Süßigkeiten nicht gänzlich verboten sind, findet Marie das häufige Spritzen und Messen des Blutzuckerspiegels blöd, auch Ärger und Wut haben einen Platz in diesem Buch. Doch als Marie entdeckt, dass auch ein Freund aus dem Schwimmtraining Diabetes hat und gut damit lebt, geht es aufwärts.
Auch dieses Buch endet mit einer genauen Beschreibung der verschiedenen Typen von Diabetes, den Folgen und den Therapiemöglichkeiten. Ein Buch, das recht ausführlich aber kindgerecht ins Thema einführt.

Eugen und der freche Wicht
Eine Geschichte von Anna Sommer und Michael Grotzer. 5-7 J., Editon Modern
Leider sind auch Kinder nicht von schweren Krankheiten verschont. Ein Tumor im Gehirn gehört da sicher zu den Diagnosen, die alle Eltern fürchten. Aber dass in diesem Buch für eine derartig schwierige Sache so einfache schnörkellose und dadurch so starke Worte gefunden werden, hat mich sehr beeindruckt.
Eugen hat Kopfschmerzen, er mag nicht spielen, er mag nichts essen, denn ihm ist übel. Die Kinderärztin untersucht seinen Gleichgewichtssinn und schickt ihn zur genaueren Abklärung ins Spital. Eugen fürchtet sich ein bisschen vor dem Ungewissen was da auf ihn zu kommt.
Sympathisch an diesem Buch finde ich, dass es ohne Spezialbegriffe auskommt. Das MRT ist einfach nur ein großer Apparat, der überhaupt nicht weh tut aber einen ziemlichen Krach macht. Vorher wird aber noch ein Kontrastmittel gespritzt. Dann muss Eugen eine Stunde lang ruhig liegen, was ganz schon anstrengend ist. Folgerichtig wird erklärt, dass der Apparat viele Fotos vom Hirn gemacht hat, wobei das Gehirn als Haus mit vielen Zimmern beschrieben wird. Im Zimmer, wo der Gleichgewichtssinn wohnt, sitzt ein kleiner, frecher Wicht. Der muss durch ein Operation entfernt werden.
Auch hier fällt wieder die Frage, ob Eugen etwas falsch gemacht hat. Nachher teilt Eugen ein Zimmer mit Juli, die einen nicht operablen Hirntumor hat und deswegen Chemotherapie bekommt. Auch wie das funktioniert und was das bedeutet wird genau erklärt. Eugens Physiotherapie sind ebenso Thema wie seine Schmerzen oder das Lernen im Spital. Bevor er nach Hause kann, muss er noch einige Bestrahlungen über sich ergehen lassen. Doch dann gibt es endlich die Entlassung und ein großes Fest kann gefeiert werden.
Ein umfangreiches Buch, das locker beginnt und dann immer gehaltvoller wird. Auch hier wird kindgerecht ein schwieriges Thema aufgearbeitet. Mir gefällt besonders, dass es die kindliche Sicht des Nebeneinanders von Krankheit und Freundschaften, von Schwierigem und Alltag nicht aus dem Blick verliert.

Annas Mama ist super
Multiple Sklerose kindgerecht erklärt. Kinderbuch und animierte Hörbuch-App. Caritas Sozialis
Das kleine Büchlein ist in fröhlichen Farben gehalten und bietet viele Alltagsszenen. Dennoch erfährt man gleich auf der zweiten Seite, dass Annas Mama MS hat. Mich hat bei diesem Büchlein berührt, mit welcher Selbstverständlichkeit Anna ihrer Mutter Fragen stellt. Diese erklärt kindgerecht, wie sie MS erlebt, dass das mit dem Gleichgewicht und z. B. Radfahren schwierig ist, dass es Schübe gibt oder dass MS Narben im Gehirn macht. Als Annas Mutter einen Schub bekommt, muss sie ins Krankenhaus. Danach kann sie nur mit Krücken gehen und besucht das MS-Tageszentrum, wo sie mit ihrer Therapeutin Fortschritte macht.
Ein Büchlein, das mit Feingefühl den Symptomen einer Krankheit Raum gibt, ohne das Familienleben davon beherrschen zu lassen. Da gibt es weiterhin Ausflüge in den Wald und Geburtstagsfeiern und sogar ein Radausflug wird mit einem Tandemrad möglich. In meinem Umfeld erlebe ich, dass es nicht immer so einfach ist, diese Unbeschwertheit aufrechtzuerhalten. Aber auch, dass Kinder mit so vielen Gegebenheiten viel besser zurecht kommen, als wir es uns denken, weil sie die Welt einfach so nehmen, wie sie ist.

Leos Papa hat Krebs
Sabine Brütting, Claudia Heinemann. 5-7 J., kids in BALANCE Verlag
Der Ich-Erzähler Leo ist 7 und merkt schon im Vorfeld, dass was im Busch ist: Mama hört plötzlich zu telefonieren auf, wenn er ins Zimmer kommt und Papa sieht manchmal so traurig aus. Als die Eltern den Kindern von der Diagnose erzählen, weint Mama und es tauchen Fragen bei Leo auf, die er anderen, nicht ganz so nahen Menschen leichter stellen kann. Wie gut, dass der Arzt und die Großeltern klare, ehrliche und hilfreiche Antworten geben.
Dieses Buch finde ich sehr gelungen, weil es ein schwieriges Thema aufgreift und dabei Themen aufzeigt, die bei Kindern damit verbunden sind: Bin ich schuld, weil Papa sich über mein Trödeln am Morgen ärgern musste? Darf man im Krankenhaus lachen? Kann man daran sterben? Und auch, dass Leo kein armer Junge sein will oder auch mal wütend ist über den Krebs, oder ihn einfach mal vergisst, kommt vor. Dieses Buch ist wirklich hilfreich, und zeigt Wege auf, was eine schwierige Diagnose bei Kindern bewirken kann und wie wir sie gut bergleiten können. Kuscheln, Spielen, Reden, Malen, Erklären und da sein, all das hilft. Auf der letzten Seite sind Adressen von Anlaufstellen.

Noch mehr Bücher
Es gibt so viele wirklich gute Kinderbücher, die man gerne vorliest, die schön gestaltet sind und die hilfreich sind, z. B. Was mir mein Bauch erzählt vom Tyrolia Verlag oder auch Matti, Oma Rose und die Dingse vom aracari Verlag. Diese Bücher liest man immer wieder gerne, nicht nur bei Krankheiten. Ebenso wie Kinderbücher über Ausscheidungen oder Aufklärungsbücher.
Manchmal ist einfach ein bisschen Angst im Spiel. Dann hilft es, wenn Kinder gelernt haben, über Gefühle zu sprechen. Auch Gefühle wie Neid, Geschwisterrivalität oder Wut verlieren an Macht, wenn man darüber reden kann. Und auch Entspannung oder Achtsamkeit hilft eigentlich immer.

Bücher und schwierige Themen
Bücher sind eben auch eine gute Möglichkeit, sich an schwierige Themen heranzuwagen. Auch wenn wir es noch so gerne möchten, wir können unsere Kinder nicht vor schwierigen und auch schmerzlichen Erlebnissen bewahren. Aber wir können sie begleiten. Da kann es hilfreich sein, sich ab und zu mit herausfordernden Themen zu beschäftigten. Hier haben wir ein paar Ansätze dazu:
- Kinderbücher zur Gefühlswahrnehmung und -benennung sowie Resilienzförderung
- Kinderbücher die sich mit Behinderungen und deren Sichtbarkeit in Kinderbüchern beschäftigen
- Kinderbücher zum Black History Month sowie Gender und Toleranz
- Kinderbücher über Flucht und Integration
- Kinderbücher über Wahrheit und Lüge
- Kinderbücher über Philosophie
- Gedanken zum Umgang mit Sterben und Tod
- Warum ihr Bilderbücher zum Thema Tod lesen solltet
In Wien können Kinder in den Büchereien gratis Bücher ausborgen. Aber es gibt auch Bücherschränke, Büchertaschen und Buchhandlungen in denen neben Büchern manchmal auch Programm stattfindet. Die Infos dazu haben wir auf unseren Infolisten Literatur und Bücherschränke gesammelt.

Text: Brigitte Vogt, SL
An welche Bücher aus der Kindheit erinnert ihr euch noch? Welche Bücher lieben eure Kinder? Was lest ihr euren Kindern vor? Was lest ihr gerne gemeinsam? Schreibt uns an: kinderinfowien@wienxtra.at.
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