
Bildbasierte sexualisierte Gewalt
Um was geht es?
Intime oder sexuelle Bilder werden ohne Zustimmung gemacht, geteilt oder als Druckmittel benutzt. Manchmal gibt es die Zustimmung der betroffenen Person für das Foto oder Video (z.B. im Rahmen einer Beziehung), aber nicht an einer Veröffentlichung.
Dabei werden wichtige Rechte verletzt – zum Beispiel das Recht, selbst über den eigenen Körper zu bestimmen und das Recht am eigenen Bild.
Für Betroffene ist das sehr belastend. Ihre Privatsphäre und Würde werden verletzt. Viele fühlen sich unsicher, ängstlich und es können sich psychische Probleme entwickeln oder verstärken.
Deepfakes im Internet
Neue Technologien verschärfen das Problem. Mit Künstlicher Intelligenz lassen sich heute sehr realistische Bilder und Videos erstellen. Diese nennt man Deepfakes oder Deepnudes.
Dabei werden Menschen in Situationen gezeigt, die es nie gegeben hat. Solche Inhalte zu erstellen ist einfach und unkompliziert.
Für Betroffene macht es kaum einen Unterschied, ob das Bild echt ist oder nicht. Die Folgen sind gleich:
- Rufschädigung
- Ausgrenzung
- Angst, dass sich die Bilder weiter verbreiten
Die rechtliche Situation
Rechtlich ist das schwer zu lösen. Zwar ist vieles strafbar, aber bei KI-Fälschungen gibt es aktuell noch Lücken im Gesetz.
Da KI immer besser wird, wird es wahrscheinlich mehr solcher Fälle geben. Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen und Betroffene ernst zu nehmen, ihnen zuzuhören und professionelle Hilfe zu suchen.
Komm zu uns in die Anwaltliche Erstberatung für eine juristische Einschätzung der Situation.
Was Betroffene tun können
1. Profil schützen
- Stelle deine Social-Media-Accounts möglichst privat ein.
- Keine echten Namen, Alter oder Wohnort im Profil.
- Beschränke, wer dir schreiben oder kommentieren kann und kontrolliere regelmäßig, ob du nicht unabsichtlich jemanden hinzugefügt hast, den du eigentlich gar nicht kennst.
- Du kannst dein Profil auch vorübergehend deaktivieren, wenn dir online was zuviel wird.
2. Hilfe holen: Du musst das nicht allein durchstehen.
- Sprich mit erwachsenen Menschen, denen du vertraust.
- Hol dir juristische Beratung z.B. bei uns in der Jugendinfo. Eventuell kannst du eine polizeiliche Anzeige machen, wenn du das möchtest.
- Du kannst auch anonym Hilfe bekommen, z. B. bei „Rat auf Draht“ (Telefon 147 oder online) oder Frauen*beratungsstellen.
- Du bist nicht allein! Du hast nichts falsch gemacht! Es gibt keinen Grund sich zu schämen. Die Verantwortung trägt die Person, die die Fotos und Videos online gestellt hat.
3. Inhalte melden und löschen lassen
- Melde die Bilder auf Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat oder Facebook.
- Die Bearbeitung kann dauern, oft bekommt man leider auch keine Antwort.
- Wenn das nicht klappt, wende dich an Rat auf Draht oder die Internet Ombudsstelle.
4. Vorbeugung:
Es gibt spezielle Websites, die die ungewollte Verbreitung intimer Bilder verhindern möchte.
- Take It Down: Das betrifft intime Bilder und Videos von Minderjährigen bzw. Bilder und Videos, die vor dem 18. Lebensjahr aufgenommen wurden.
- StopNCII: Für erwachsene Personen ab 18
Dabei wird eine Art digitaler Fingerabdruck deiner Bilder erstellt. So können Plattformen verhindern, dass diese Bilder hochgeladen werden. Lies mehr darüber bei Safer Internet.
Ein klares NEIN zu Gewalt im Internet!
- Du findest es lustig, wenn deine Kumpels Pornovideos mit den Gesichtern euer Klassenkolleginnen im Internet verbreiten?
- Du bist traurig und enttäuscht, weil deine Freundin dich verlassen hat und verbreitest nun bearbeitete KI-Fotos von ihrem halbnackten Körper?
- Du konsumierst online kostenlose Gewaltpornos (rape porn) und denkst nicht darüber nach, wer hinter der Produktion steckt, wer die betroffenen Frauen sind oder wer dabei viel Geld verdient?
Mach es nicht. Zeig Zivilcourage. Sag nein zu Sexismus, Ausbeutung von Frauen und frauenfeindlichen Inhalte online. Lies nach, wie es Betroffenen von sexualisierter Gewalt geht, welchen Leidensweg sie oft hinter sich haben und wie es sich anfühlt, wenn man von sich selber Deep Fakes im Internet findet. Schau nicht weg. Misch dich ein, wenn andere darüber lachen oder Gewalt gegen Mädchen, Frauen oder queere Personen propagieren. Du hast es in der Hand. Sei kein Arsch!
Beratungsstellen
Rat auf Draht
Telefonische, Chat und Online-Beratung für Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen
Leistungen
- 24 Stunden Telefonberatung
- Online Beratung
- Peer2Peer Beratung
- kostenlos und vertraulich
Zielgruppe
Kinder und Jugendliche
Chatberatung: Montag bis Freitag, 18:00 - 20:00 Uhr
Peer2Peer Beratung: Mittwochs 18:00 - 20:00 Uhr
Webseite https://www.rataufdraht.at
Internet Ombudsstelle
Unterstützung bei Streitigkeiten und Fragen zu online abgeschlossenen Verträgen und anderen Problemen im digitalen Bereich.
Leistungen
Online Beratung und Schlichtungsverfahren
Die Internet Ombudsstelle unterstützt bei Beschwerden und Fragen zu Themen wie:
- E-Commerce und Online-Shopping
- Digitale Abos und Mitgliedschaften
- Bilder im Netz und Urheberrecht
- Sicheres Bezahlen im Internet
- Social Media und Hass im Netz
- Datenschutz und Online-Bewertungen
- Reisen und Tickets
Zielgruppe
für alle
Das Angebot der Internet Ombudsstelle ist kostenlos.
Frauenhelpline
kostenlose, telefonische Erst- und Krisenberatung für Frauen, die von Gewalt betroffen sind
Leistungen
- Anonyme und vertrauliche Beratung
- Erreichbarkeit von 0 – 24 Uhr an 365 Tagen im Jahr
- kostenlos
- Rasche Hilfe in Akutsituationen
- Klärung der aktuellen Situation, Entlastung und Orientierungshilfe
- Psychosoziale Krisenberatung
- Information über rechtliche und soziale Fragen in Zusammenhang mit Gewalt an Frauen und Kindern
- Gezielte Weitervermittlung an regionale Frauenschutzeinrichtungen und Beratungsstellen
- Information über weiterführende Beratungs- und Unterstützungsangebote in ganz Österreich
- Auf Wunsch der Betroffenen kann der Kontakt zu anderen Institutionen hergestellt werden.
Zielgruppe
Frauen jeder Herkunft, sexueller Orientierung, Religion und in allen Lebenssituationen
Frauen*Beratung
Notruf bei sexueller Gewalt
Leistungen
- Psychosoziale Beratung
- Anzeigenberatung
- psychosoziale und juristische Prozessbegleitung
- Beratung, Sozialservice, begleitende Weitervermittlung
- Informationen zu Möglichkeiten einer Psychotherapie
- Beratung und Prozessbegleitung in Deutsch und Englisch
- Andere Sprachen mit Dolmetsch möglich
Zielgruppe
- Frauen* aller Alterstufen und Mädchen ab 14 Jahren, die von sexueller Gewalt betroffen sind/waren,
- Familienangehörige, Freund*innen, Partner*innen, Kolleg*innen etc.,
- Lehrer*innen, Ärzt*innen, Betreuer*innen, Sozialarbeiter*innen, Psychotherapeut*innen etc.,
- die breite Öffentlichkeit,
- politische Entscheidungsträger*innen.
Safer Internet
Saferinternet.at unterstützt InternetnutzerInnen – vor allem Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrende – bei der sicheren Nutzung des Internet und liefert hilfreiche Tipps und Hilfestellungen zu Themen wie Jugendschutz, Schutz der Privatsphäre, Cyber-Mobbing, Soziale Netzwerke, Urheberrechte, Computersicherheit, Internetabzocke und Medienerziehung.
Leistungen
- (Online)-Information
- Broschüren
- Eltern-Ratgeber
Zielgruppe
Kinder, Jugendliche, Eltern, Multiplikator*innen
WIENXTRA-Jugendinfo
Beratung und Information für junge Leute
Leistungen
- Information zu allen möglichen jugendrelevanten Themen von A - Z
- Beratung persönlich, telefonisch oder online (Signal-Beratung: 0699/156 84100)
- themenspezifische Beratung:
- Rechtsberatung (Jeden 1. Dienstag im Monat von 15.30 bis 18.30 Uhr und jeden 3. Donnerstag im Monat von 16.00 bis 18.30 Uhr)
- Young & Queer Beratung (Jeden 2. Dienstag im Monat, 15:30-18:30)
- Mobbing-Beratung (Immer am 3. Dienstag im Monat)
Zielgruppe
- für Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre
- für alle, die mit Jugendlichen leben und/oder arbeiten
Kostenlose Beratung ohne Termin zu den Öffnungszeiten



