
Woher kommt überhaupt dieses komische Wort?
Ursprünglich meint es „Die Pritsche des Narren“. Das ist eine Holzklatsche, mit der man jemanden schlagen kann, ohne Schmerzen zuzufügen und kommt vom Theater, genauer der italienischen Comedia dell’arte. Da sind wir eigentlich schon beim Wesentlichen: Es geht um körperlichen - und manchmal seelischen - Schmerz, der aber nicht ernsthaft wehtut.

Und was ist Slapstick?
Das ist eine körperliche Art von Humor. Da taumeln oft sehr ungeschickte Menschen durch die Gegend, haben plötzlich Probleme mit Alltagsdingen, weil sie diese falsch nutzen (wie Paddington, der mit einer Klobürste kämpft) und geraten in haarsträubende Situationen, die wieder einen körperlichen Einsatz brauchen, um wieder herauszukommen. Das kann eine unfreiwillige Schlägerei sein, eine Verfolgungsjagd mit der Polizei oder verrückte Stunts.

Oft bleibt es nicht bei einem Missgeschick. Es folgt meist eine Kette an unglücklichen Begebenheiten und das führt zu Zerstörung und Chaos. Das ist sehr lustig anzuschauen (Und wir können ja in unseren gemütlichen Kino- oder Theatersesseln sitzen) und das Schöne ist: Am Ende geht der Tölpel irgendwie doch als Held oder Heldin aus der Situation hervor. Weil es ist ja eine Komödie und keine Tragödie.
Die große Zeit im Stummfilmkino
Noch keinen Ton im Film zu haben, war für eine Komik, die keine Sprache braucht, ganz wunderbar. Das Kino ist ja auf Jahrmärkten groß geworden und da konnten die Artist*innen bereits im Film ihre lustigen Einlagen und akrobatischen Kunststücke zeigen.
Bereits im allerersten Kurzfilm-Programm der Brüder Lumière aus dem Jagr 1895 wird im Film Der begossene Gärtner ein lustiger Streich gespielt. Und dann gab es natürlich die ganz großen Stummfilm-Komiker in Hollywood wie Charlie Chaplin, Buster Keaton oder Stan Laurel und Oliver Hardy, bei uns besser bekannt als „Dick & Doof“. Und jeder von ihnen hatte eine ganz eigene Art von Komik und Filmstil.

Charlie Chaplin war in seiner berühmten Figur des „Tramp“ mehr der Underdog, dessen Komik immer auch etwas Trauriges hatte und der mit seinen Filmen Sozialkritik geübt hat. Buster Keaton hat unglaubliche Action-Filme gemacht. Bei einem seiner Stunts hat er sich sogar den Rücken gebrochen. Und Stan & Ollie haben mehr mit Filmtricks gearbeitet, waren aber so gut und lustig, weil sie eben zu zweit waren.
Charlie Chaplins Erben: Cartoons
Mit dem Tonfilm ging zwar eine Ära zu Ende, aber so wie Zirkus nie Out sein wird, lachen wir immer noch über Slapstick. Ganz groß ist es im Fernsehen. Von Tom & Jerry bis Grizzy und die Lemminge. Da passiert auf dem Bildschirm nichts anderes als in der guten alten Stummfilm-Zeit.
Tom möchte Jerry fangen, doch die kleine Maus trickst den stärkeren Kater aus. Auch die Lemminge ärgern Bär Grizzy bis zum Äußersten, verrückteste Verfolgungsjagden mit Regenbögen und Einhörnern inklusive. Das schaut manchmal ziemlich schmerzhaft aus, tut aber nicht weh.

Paddington: Ein süßer tollpatschiger Bär tritt in große Fußstapfen
Die drei Filme um den beliebten Bären aus Peru (Paddington, Paddington 2, Paddington in Peru), der in London ein neues Zuhause findet, gehören zu dem Besten, was das Kino für Kinder und Erwachsene im letzten Jahrzehnt produziert hat. Obwohl er nur Gutes im Sinn hat, stolpert Paddington von einem misslichen Abenteuer ins Nächste und bekommt am Ende doch Applaus. Das kommt uns irgendwie bekannt vor.

Die Macher der Paddington-Filme nehmen sich ganz bewusst die großen Stummfilm-Komiker zum Vorbild und „zitieren“ direkt aus anderen Filmen. Paddington schlängelt sich beim Ausbruch aus dem Gefängnis durch die Zahnräder einer Uhr? Charlie Chaplins Modern Times lässt grüßen. Eine prähistorische Mauer kippt um und verfehlt den Bären nur um ein Haar. Es ist, als ob wir uns mitten in Buster Keatons Steamboat Bill, Jr. befinden. Es macht Spaß die lustigen Easter-Eggs der Filmgeschichte in den Filmen aufzuspüren.
Was wir uns selbst mitnehmen können (außer dem Lachen)
Letztes Jahr haben wir im Cinemagic einen Cross-Over-Workshop zum Thema „Slapstick“ gemacht und Filmvermittlung mit Theaterpädagogik kombiniert. Wir haben gemeinsam Slapstick-Szenen angeschaut und diese besprochen und dann haben die Kinder selbst davon inspirierte Übungen gemacht wie einen Slowmotion-Kampf ohne Berührung oder einen Silly Walk.

Ganz anders als im echten Leben hatten die Kinder beim „Kämpfen“ Freude am Verlieren, weil Slapstick das heißt auch Verlieren können, Aufstehen, Krone richten, Weitermachen. Und dann hat eine Teilnehmerin noch was Treffendes gesagt: „Beim Slapstick gibt es beides gleichzeitig: Pech und Glück“. Und das klingt ziemlich nah dran am Leben.
Gastbeitrag von Clara Huber, WIENXTRA-Cinemagic






























