
Die meisten Kinder beschäftigen sich gerne mit Medien. Sie verbringen dabei vergnügliche Stunden, begegnen aber auch Bildern und Erzählungen, die sie beängstigen und überfordern. Doch was macht das Spannungsgeladene, Gruselige so faszinierend?
Ausschließlich liebliche Dinge finden die meisten Kids auf Dauer langweilig. Eine Heldin, die ganz gemütlich auf dem Sofa sitzt, ist keine interessante Identifikationsfigur – sondern die, die sich mutig ins Abenteuer stürzt. Ohne Widerpart und Konflikt gibt es keine guten Geschichten. Das glückliche Ende kann ich als Zuschauer*in erst dann voll auskosten, wenn ich davor die Hauptfigur in gefährlichen Situationen erlebt und mit ihr*ihm mittgefiebert habe.

Bilder von Negativem in Medien
Auf einer tieferen Ebene sind Medien Werkzeuge der Wirklichkeitsverarbeitung: Sie sind interessant, weil sie Themen behandeln, die es im echten Leben auch gibt. Dazu gehört auch Negatives wie Konflikt, Ungerechtigkeit und Gewalt. Medien können auch dazu dienen, sich mit den eigenen Ängsten auseinanderzusetzen.
Es gibt ein paar Grundregeln für kindgerechte Spannung. Bedrohliche Sequenzen sollten ganz kurz sein. Wer gut und wer böse ist, muss eindeutig erkennbar sein, und ein glückliches Ende ist ein Muss. Elemente, die Emotionen wecken – düstere Musik, bedrohliche Geräusche, dunkle Farben – sollten sparsam eingesetzt werden. Und zwischendurch sollte es was zum Lachen geben – Humor entlastet.

Auf solchen Erkenntnissen basieren Altersgrenzen und -empfehlungen für Kindermedien. Aber gleichzeitig ist auch jedes Kind anders, unterschiedlich empfindlich – die*der einzige wahre Expert*in dafür, wieviel an Spannung und Gruseln dein Kind gut verkraftet, bist daher du!
Altersfreigaben im Kino
Gesundes-Gaming
Egal wie sorgsam du die Medienumgebung des Kindes zu gestalteten versuchst: Mit großer Wahrscheinlichkeit begegnet es irgendwann trotzdem Bildern, die beängstigen und schlecht träumen lassen.
Umgang mit beängstigenden Medienerfahrungen
Wenn das passiert: Gelassen bleiben! Solange das Kind mit dir über das Erlebte reden kann, ist es gut aufgehoben. Kinder brauchen unterschiedliche Dinge, um schlechte Medienerfahrungen gut zu verarbeiten – findet gemeinsam heraus, was es ist! Sehr oft reicht das Darüber-Reden. Manchmal muss das Beängstigende nochmal (oder mehrmals) gemeinsam angeschaut werden, gezeichnet oder nachgespielt werden.

Nur Eines brauchen Kinder nicht: Ein allzu pauschales „Ich sagte doch, dass das nichts für dich ist, sowas schaust/spielst du nicht mehr.“ Für das Kind überwiegt nämlich weiterhin das Positive an den Medien. Es will auch zukünftig seine eigenen Erfahrungen mit Medien machen können. Wenn du auf beängstigende Medienerlebnisse mit Medienverboten reagierst, hört es vielleicht ganz damit auf, über negative Erlebnisse zu reden.
Gastbeitrag von Anu Pöyskö, Leiterin des WIENXTRA-Medienzentrums
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